Es ist ein Samstag wie jeder andere. Nach meinem morgendlichen Workout und einem kleinen Lauf um den Block, um meine runtastic App auch in Anspruch zu nehmen, begebe ich mich in die nächste Niederlassung einer bekannten Supermarktkette, um mich dort mit meinen Gluten freien, low-carb Lebensmittel aus Freilandhaltung einzudecken. Der Marketer von Heute kommt ja immer erst Morgen zum einkaufen. Zuerst verkaufen – dann einkaufen. Jetzt kennen Sie die Devise.

Auf jeden Fall stehe ich am Fließband mit meinen Einkäufen. (Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass mir Selbstbedienungskassen ob ihrer neumodernen Bedienweise doch sehr suspekt sind und ich ja den zwischenmenschlichen Kontakt zwischen mir und der Kassenkraft liebe. Zwei Geister – nur getrennt von einer Spanplatte und einem NFC-Terminal). Ich bemerke gerade, dass ich Gefahr laufe in die sexuellen Spannungen des Einzelhandels abzuschweifen.

Jedenfalls steht neben hinter mir eine Dame, die lediglich (im wahrsten Sinne des Wortes) eine Hand voll Artikel hatte und wie es sich für einen Gentleman gehört, habe ich ihr höflich meinen Platz in der Schlange angeboten, den sie erst zögernd, dann aber doch beherzt in Anspruch genommen hat. Ich habe nicht lange gebraucht um herauszufinden, dass die Frau im geistlichen Gewerbe tätig ist und nur einem Herrn dient. Ich habe es ihr förmlich angesehen. Ich Fuchs.
Dann kam ich an die Reihe und während vegane Produkte in meinen Rucksack wanderten, wandte sich die Frau mir zu und drückte mir mit einem sanftmütigen Gesicht ein paar Zettel und kleinen Klimm-Bimm zu und meinte: „Verschenken Sie die Anhänger“, bevor sie aus dem Laden verschwand.
Hat mir doch glatt eine Nonne mit drei Alkopops in der Hand eine Lektion in Sachen „Marketing am POS“ erteilt. Gewieftes Gottesluder.
Ich muss auch gestehen, dass ich mir zu Hause die Broschüren durchgelesen bzw. sie mehr überflogen habe, denn das Design ist sehr ansprechend gestaltet. Props an den Designer. Allerdings war ich nicht konzentriert genug und es hilft wohl wenig, wenn man geistliche Texte liest und der erlernte Esprit automatisch „Gebetserhörungen“ – der Legasthenie des Angestellten sei Dank –   in den Terminus „Gehaltserhöhung“ übersetzt.

Fazit: Auch ich werde meine gewerbliche Herangehensweise klerikaler beziehungsweise glaubensschaffender ausrichten. Also wundern Sie sich nicht, wenn ich eines Tages vor Ihrer Tür stehe mit den Worten: „Haben Sie etwas Zeit, um mit mir über Google zu sprechen“.