Steinigt mich, spuckt mich an oder nagelt mich an ein Kreuz und macht mich zum neuen Kirchenjesus, aber ich finde Social Media Ausbildungen mehr als nur entbehrlich; teilweise sogar schädlich. Es fehlt nur noch, dass dieser Berufszweig am AMS als Beschäftigungsmaßnahme angeboten wird.

Beispiel Werbeakademie
Bezahle 2.970 Euro, erhalte 120 Lehreinheiten und ziehe ein Diplom ein. Was man der Fairness halber hier erwähnen muss, ist die Tatsache, dass die richtige Zielgruppe hier angesprochen wird:

Interessent/-innen mit mind. 2 Jahren Berufserfahrung und abgeschlossener Ausbildung in Marketing oder Kommunikation in folgenden Tätigkeitsbereichen:

  • Marketing
  • Brand Management
  • eBusiness
  • CRM
  • PR
  • Customer Service Management
  • Employer Brand Management

Ich fände es nämlich fast schon fahrlässig, Leute ohne entsprechenden Background in derartige Lehrgänge zu lassen. Social Media Management ist eine Aufgabe, die man „on the job“ lernt und für die man drei Grundvoraussetzungen mitbringen muss:

  • ein Quantum an technischer Affinität
  • ein Maß an Textkompetenz und
  • einen Batzen an sozialem Gebahren

Die Gründe sind leicht erklärt; sie liegen quasi auf der Hand:
Da sich die Tools, mit denen in den sozialen Medien gearbeitet wird, meist genauso schnell entwickelt, wie die entsprechenden Medien und deren Richtlinien, sollte man doch Interesse für die Handhabung und Funktionsweise der Werkzeugpalette haben. Der Umgang mit Hootsuite ist nicht Social Media.

Zur Aufgabe eines Social Media Managers gehört neben administrativen Tätigkeiten auch die operative Funktion, die da lautet: Führe einen Dialog mit der Community. Da der Social Media Manager hier als Schnittstelle zwischen Unternehmen/Marke und Community fungiert und die Marke in seiner Funktion direkt vertritt, solle eine entsprechende „Schreibe“ vorhanden sein. So wird die Community einer Versicherungsgruppe anders anzusprechen sein, als es die Klientel in den Social Media Kanälen einer Fast-Food-Kette verlangt.

Last, but not least: die soziale Kompetenz. Ich drück es mal ganz profan aus: „Wer selbst bei der kleinsten Kritik aufgeht, wie ein angeföhnter Germknödel, sollte wohl nicht in der ersten Reihe stehen, wenn es um eine kompetente Antwort geht.“

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In diesem Sinne: Zerstört weiter einen Berufszweig, der sich gerade erst aus Quereinsteigern etabliert, indem Halbwissen als einzig gültige Wahrheit in die Köpfe junger Menschen gestopft wird.
Ich bevorzuge hier lieber regelmäßigen Dialog mit Kollegen, die seit Jahren und teilweise Jahrzehnten in der Kommunikationsbranche tätig sind.

Abschließen möchte ich selbstreflektierend und zwar mit einem Zitat von Klaus Kinski:

Ich bin nicht der offizielle Kirchenjesus, der unter Polizisten, Bankiers, Richtern, Henkern, Offizieren, Kirchenbossen, Politikern und ähnlichen Vertretern der Macht geduldet wird. Ich bin nicht euer Superstar.